Und: Was bedeutet das für Medien‑ und Radiounternehmen?
Die aktuell veröffentlichte Studie „Gen Z und Gen Alpha Decoded – Diese Medieninhalte wollen junge Menschen sehen“ der Initiative XPLR: MEDIA in Bavaria (in Kooperation mit iconkids & youth international research GmbH) liefert wertvolle Einsichten darüber, wie junge Zielgruppen – insbesondere die Generationen Z (etwa geboren ab Mitte 1990er) und Alpha (geboren ab ca. 2010) – Medien konsumieren, welche Erwartungen sie haben – und welche strategischen Ansatzpunkte sich hieraus für Medien‑ und Radiobetreiber ergeben.
1. Wer sind Gen Z & Gen Alpha – und wie nutzen sie Medien?
Die Studie zeigt: Für junge Menschen sind Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube zentrale Anlaufstellen – nicht nur zur Unterhaltung, sondern zunehmend auch zur Information. Im Gegensatz dazu verlieren klassische Medien (z. B. lineares Fernsehen oder Print) an direkter Relevanz – sie bleiben häufig nur in Nischen oder bei bestimmten Anlässen stark (z. B. Sport‑Events) präsent.
2. Erwartungen an Medien: Authentizität, Relevanz, Orientierung
Die Studie zeigt klar: Junge Menschen wollen Inhalte, die an ihre Lebenswelt anknüpfen, nicht abstrakte oder rein „sendungsorientierte“ Formate.
Drei zentrale Erwartungen im Überblick:
- Plattform‑ und formatgerechte Erzählweise: Inhalte müssen dort, wo junge Menschen sind, und so angeboten werden, wie sie dort konsumieren – kurz, prägnant, visuell stark.
- Authentizität und Haltung: Junge Zielgruppen erwarten von Medien und insbesondere von Hosts/Creators Werte, Identifikationsmöglichkeiten und eine menschliche Ansprache – nicht reines Marketing.
- Orientierung schaffen: Gerade die Generation Alpha sucht nach Struktur und Orientierung – nicht simpler Unterhaltung allein. Medien, die komplexe Themen in ihre Lebenswirklichkeit einordnen, gewinnen.
3. Was heißt das konkret für Medien‑ und Radiobetreiber?
Für Radiobetreiber ergeben sich – auf Basis der Studie – mehrere strategische Hebel:
- Lebensweltbezug & „relatable content“ : Wenn junge Hörende erkennen, dass ein Thema „mit meinem Leben zu tun“ hat (z. B. Alltagsfragen, Werte, digitale Lebensrealitäten), steigt Aufmerksamkeit und Bindung.
- Community‑ und Dialogfokus statt bloßer Reichweite: Statt nur Hörerzahlen zu maximieren, lohnt es sich, die junge Zielgruppe aktiv einzubeziehen – Feedback einholen, Mitgestaltung ermöglichen, Hosts mit Nähe einsetzen. Die Studie betont: Beziehung schlägt kurzfristige Klickzahlen.
- Redaktionelle und strukturelle Anpassung: Es geht nicht nur um „neue Formate“, sondern um Wandel in Redaktionsteams, Organisation und Mindset. Diversere Teams, agile Strukturen und neue wirtschaftliche Modelle sind erforderlich, um langfristig Innovation und Relevanz zu sichern.
- Plattformgerecht & crossmedial denken: Für Radiobetreiber heißt das: Inhalte weiterdenken über das reine Audio hinaus – z. B. kurze Clips, Social‑Stories, visuelle Teaser. Medien‑ und Hörformate werden kombiniert gedacht – nicht isoliert.
- Langfristige Relevanz statt kurzfristiger Monetarisierung: Die Studie sagt es deutlich: Der Zugang zu Gen Z und Alpha ist „kein kurzfristiges Umsatzprojekt, sondern eine überlebenswichtige Investition in Marken‑Relevanz und zukünftige Geschäftsfähigkeit“.
4. Praxistipps für Radiostationen
- Prüfen Sie Ihre Formate auf Lebensweltbezug: Welche Sendungen greifen Themen auf, mit denen sich 12‑ bis 25‑jährige identifizieren können?
- Entwickeln Sie kurze, prägnante Formate (z. B. 3‑5 Minuten „Deep Dive“ oder Tagesimpulse), die digital verbreitet und leicht weitergeteilt werden können.
- Setzen Sie Hosts oder Creator mit nahbarer Persönlichkeit ein – gerade digitale Formate profitieren von Identifikation.
- Fördern Sie Interaktion – wie „Call‑out“ in Social Media, Live‑Chats, Feedbackloops: Wie hören junge Menschen Ihre Sendung, was wünschen sie sich?
- Strukturieren Sie Ihre Redaktion so, dass Impulse für junge Zielgruppen direkt eingebunden sind (z. B. eigene Redaktionseinheit, Schwerpunkt auf junge Zielgruppen).
- Nutzen Sie Audio plus visuelle Elemente – z. B. Highlights der Sendung als Short‑Clips, Story‑Format, Instagram Reels etc.
5. Fazit
Für Radiobetreiber gilt: Wer junge Zielgruppen dauerhaft erreichen will, darf sich nicht auf althergebrachte Muster verlassen. Die Generationen Z und Alpha bringen andere Nutzungsgewohnheiten, Erwartungen und Wertvorstellungen mit – und Medienunternehmen, die das verkennen, riskieren, langfristig Relevanz einzubüßen. Die Studie bietet klare Hinweise: Von der authentischen Ansprache über Community‑orientiertes Arbeiten bis hin zur strukturellen und kulturellen Anpassung. Wer heute investiert, legt den Grundstein für morgen.
Quellen : „Gen Z und Gen Alpha Decoded – Diese Medieninhalte wollen junge Menschen sehen“, XPLR: MEDIA in Bavaria & iconkids & youth international research GmbH, 2025.





