Facebook war das Klassentreffen, Instagram das digitale Tagebuch, Twitter der Dauerstammtisch. Doch die Party ist vorbei – so sieht es Publikaturist Peter „Bulo“ Böhling in seiner pointierten Kolumne für Meedia. Social Media, so seine Diagnose, hat sich selbst überlebt: zu laut, zu künstlich, zu ermüdend. Und die neue Welle, die alles verändern wird, heißt Rückkehr zum Analogen.
Wenn das Licht in der Timeline ausgeht
Was als Vernetzung begann, ist zur Dauerbeschallung geworden. Algorithmen bestimmen, was wir sehen – nicht, was uns interessiert. Der Newsfeed ist längst kein Fenster zur Welt mehr, sondern eine Echokammer aus Meinungen, Werbung und Selbstinszenierung.
Und mit dem Aufkommen von KI-generierten Inhalten verschwimmt die Grenze zwischen echt und künstlich endgültig. „Alles Lüge“, schreibt Bulo – und trifft damit den Nerv einer Generation, die nicht mehr weiß, wem sie glauben kann: dem Bild, dem Ton oder dem Text.
Warum das eine Chance fürs Radio ist
In dieser digitalen Ermüdung liegt eine gewaltige Chance – vor allem fürs Radio. Denn während Social Media in synthetischer Perfektion erstarrt, lebt Radio von Echtheit, Stimme und Unmittelbarkeit.
Ein Moderator, der spontan reagiert, ein Hörer, der anruft, ein Song, der gerade läuft – das sind Momente, die nicht generierbar, sondern erlebbar sind.
In einer Welt, in der das „Reale“ zum Luxus wird, kann Radio seine ureigene Stärke neu ausspielen: Authentische Begegnung im Hier und Jetzt.
Die Funkloch-Strategie als Luxusgut
Bulo bringt es auf den Punkt: Das neue Statussymbol ist die Unerreichbarkeit. Die Elite der Zukunft sind nicht die mit den meisten Followern, sondern die mit der konsequentesten Funkloch-Strategie.
Was paradox klingt, ist für Radiomacher eine Botschaft: Menschen sehnen sich nach Orientierung, Ruhe und Echtheit. Nach Stimmen, denen sie vertrauen. Nach Inhalten, die nicht performen müssen, sondern Bedeutung haben.
Das kann kein Feed, kein KI-Avatar, kein Social-Media-Post leisten – aber eine starke Radiomarke schon.
Fazit
Wenn Social Media müde macht, wird Radio wieder relevant.
Nicht als Hintergrundrauschen, sondern als authentisches Gegengewicht zur digitalen Überreizung.
Echte Menschen, echte Stimmen, echte Emotionen – das wird im kommenden Medienzyklus zum seltenen Gut.
Und genau da liegt die Zukunft des Radios: nicht im Scrollen, sondern im Zuhören.





