Was Next Level Entertainment über Relevanz, Storytelling – und Medien wie Radio verrät

Sinkende Aufmerksamkeitsspannen gelten als die große Erklärung für vieles, was in Medien, Werbung und Entertainment nicht mehr funktioniert. Fabian Frese und Steven Gätjen drehen diese Logik um. Ihre These: Nicht das Publikum ist das Problem, sondern der Content.

Im Gespräch bei What’s Next, Creatives? wird schnell klar: Es geht nicht um Plattformen, Laufzeiten oder Formate. Es geht um Haltung. Um die Frage, ob Inhalte wirklich etwas erzählen – oder nur noch funktionieren sollen.

Austauschbarkeit kostet Relevanz

Frese und Gätjen kritisieren eine Branche, die sich zu oft mit Sicherheit zufriedengibt. Unterhaltung werde glatt, Werbung unterhaltsam, aber inhaltsleer. Das Ergebnis: Inhalte, die niemanden verärgern, aber auch niemanden wirklich erreichen. Reichweite wird kurzfristig erzeugt, Relevanz langfristig verspielt.

Diese Beobachtung lässt sich nicht nur auf Markenkommunikation übertragen. Auch Medien stehen vor derselben Herausforderung: Wenn Inhalte beliebig werden, hilft auch die lauteste Distribution nicht weiter.

Entertainment braucht Zeit – und Vertrauen

Ein zentraler Gedanke des Gesprächs: Gute Inhalte entstehen nicht unter permanentem Effizienzdruck. Formate brauchen Entwicklung, Risiko und Vertrauen. Gätjen bringt hier die Perspektive aus dem Entertainment ein: Relevanz entsteht nicht durch Optimierung, sondern durch Beziehung.

Das ist ein Punkt, an dem sich ein Bogen zu Radio schlagen lässt – ohne ihn zu überdehnen. Radio ist eines der wenigen Medien, das diese Beziehung über Jahre hinweg aufbauen kann. Stimmen werden vertraut, Formate wachsen, Inhalte entfalten Wirkung über Wiederholung und Nähe. Nicht trotz, sondern wegen der Zeit, die man ihnen gibt.

Qualität ist kein Formatproblem

Frese beschreibt Tumult Creative Studios als bewussten Gegenentwurf zur klassischen Agentur- oder Produktionslogik. Nicht Plattformmechaniken stehen am Anfang, sondern die Frage: Was soll dieses Stück Inhalt beim Publikum auslösen?

Das ist eine Denkweise, die auch für Medien relevant ist. Qualität entscheidet sich nicht an der Länge eines Beitrags oder am Kanal, sondern an Klarheit, Haltung und erzählerischer Konsequenz. Aufmerksamkeit ist kein Geschenk, sondern eine Folge davon.

Relevanz entsteht im Zusammenspiel

Besonders kritisch fällt der Blick auf den deutschen Markt aus. Zu oft werde Sicherheit mit Qualität verwechselt, Entwicklung mit Risiko. Dabei entstehe Relevanz genau dort, wo Marke, Story und Publikum gemeinsam gedacht werden – nicht getrennt in Zuständigkeiten.

Für Medien wie Radio ist das keine neue Erkenntnis, aber eine wichtige Erinnerung. Relevanz entsteht nicht durch permanente Neuerfindung, sondern durch konsequente Weiterentwicklung bestehender Stärken: Nähe, Verlässlichkeit, Erzählen statt Überfrachten.

Eine Einladung zum Umdenken

Diese Podcast-Folge ist keine Erfolgsstory und kein Gründungsmythos. Sie ist eine Standortbestimmung. Und sie stellt eine Frage, die über Agenturen hinausweist:
Wollen wir Inhalte produzieren, die gesehen werden sollen – oder solche, die Menschen wirklich sehen wollen?

Vielleicht liegt genau hier der Schlüssel für die nächste Entwicklungsstufe von Entertainment, Markenarbeit und Medien gleichermaßen.


Quelle

Campaign Germany: What’s Next, Creatives: Fabian Frese und Steven Gätjen über Next Level Entertainment, 16. Dezember 2025
https://campaigngermany.de/news/beitrag/2017-what-s-next-creatives-fabian-frese-und-steven-gaetjen-ueber-next-level-entertainment.html