– und was Fördermodelle leisten können

Innovation gilt seit Jahren als zentrale Antwort auf die strukturellen Herausforderungen des Journalismus. Neue Formate, neue Technologien, neue Geschäftsmodelle sollen Reichweite sichern, Relevanz stärken und wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. Der Anspruch ist hoch – die Realität oft ernüchternd. Trotz zahlreicher Initiativen bleibt die Innovationskraft vieler Medienhäuser begrenzt.

Eine aktuelle Studie von Anja Noster und Christopher Buschow liefert nun selten tiefe Einblicke in die Praxis journalistischer Innovationsförderung – und zeigt, warum Fortschritt häufig ausbleibt.

Ein einzigartiger Blick hinter die Kulissen der Innovationsförderung

Im Rahmen des WPK-Innovationsfonds für den Wissenschaftsjournalismus begleiteten die Forschenden über drei Jahre hinweg Förderprozesse, Juryentscheidungen und geförderte Projekte. Der Fonds, initiiert von der Wissenschaftspressekonferenz und mehreren Stiftungen, stellte zwischen 2022 und 2025 rund eine Million Euro für wissenschafts- und datenjournalistische Innovationen bereit.

Gefördert wurden sowohl etablierte Medienhäuser als auch Start-ups und Neugründungen – von KI-basierten Fact-Checking-Tools über datenjournalistische Plattformen bis hin zu neuen Veranstaltungs- und Community-Formaten. Diese Vielfalt machte es möglich, Innovationsprozesse in sehr unterschiedlichen Organisationsformen zu analysieren.

Drei Ebenen, auf denen Innovation scheitert

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Innovationsprojekte stoßen gleichzeitig auf individuelle, organisationale und systemische Hürden.

  • Individuell scheitern Projekte an Überlastung, Konflikten im Team, Krankheit oder Care-Verpflichtungen. Faktoren, für die Förderprogramme meist keine Lösungen bieten.
  • Systemisch erschweren komplexe Förderlandschaften, unterschiedliche Anforderungen von Geldgebern und fehlende Anschlussfinanzierungen nachhaltige Entwicklung.
  • Organisational zeigen sich jedoch die größten – und beeinflussbaren – Hebel: fehlende Selbstorganisation, mangelndes Produkt- und Geschäftsmodell-Know-how, unklare Zuständigkeiten und schwache Netzwerke.

Gerade hier setzt die Studie wichtige Impulse.

Warum Geld allein Innovation nicht erzeugt

Ein klarer Befund der Forschung: Finanzielle Förderung ist notwendig, aber nicht ausreichend.
Erfolgreiche Innovationsförderung braucht zusätzliche Strukturen, die Projekte befähigen, ihre Ideen tatsächlich umzusetzen.

Die Autoren fassen dies im sogenannten 3C-Modell zusammen:

  • Coaching: gezielte Beratung zu Produktentwicklung, Geschäftsmodellen, Recht und Organisation
  • Connection: Vernetzung mit anderen Projekten, Medienhäusern und relevanten Stakeholdern
  • Coordination: transparente, flexible und möglichst unbürokratische Förderprozesse

Dort, wo diese Elemente zusammenspielten, konnten Fördermittel eine deutlich größere Wirkung entfalten.

Unterschiedliche Projekte brauchen unterschiedliche Förderung

Ein weiterer wichtiger Befund: Innovationsprojekte sind nicht gleich. Die Studie unterscheidet drei Bedarfsgruppen:

  • Experimentelle am Anfang einer Idee
  • Pioniere mit ersten marktfähigen Strukturen
  • Experten in etablierten Medienorganisationen

Ein „One-size-fits-all“-Förderansatz greift hier zu kurz. Erfolgreiche Programme müssen flexibel, phasenbezogen und bedarfsorientiert gestaltet sein.

Was Medienhäuser daraus lernen können

Auch jenseits von Förderprogrammen sind die Erkenntnisse hochrelevant für Medienorganisationen selbst. Denn viele Innovationshemmnisse entstehen nicht durch äußere Zwänge, sondern durch interne Strukturen:

  • fehlende Zeit und klare Prioritäten
  • unzureichende organisatorische Verankerung von Innovation
  • mangelnde strategische Begleitung
  • zu wenig Raum für Lernen, Scheitern und Weiterentwicklung

Die Studie macht deutlich: Innovation ist weniger eine Frage einzelner Projekte als eine Frage von Führung, Organisation und Kultur.

Fazit: Innovation braucht mehr als gute Ideen

Der Übergang des WPK-Innovationsfonds in den Media Forward Fund zeigt, dass sich das Förderökosystem weiterentwickelt. Gleichzeitig bleibt die zentrale Erkenntnis: Innovation lässt sich nicht erzwingen – aber gezielt ermöglichen.

Für Medienhäuser, Förderer und Branchenpartner bedeutet das, Innovation nicht nur zu finanzieren, sondern strukturell zu begleiten. Mit klaren Zielen, realistischen Erwartungen und der Bereitschaft, Organisationen genauso weiterzuentwickeln wie Produkte.